Der Begriff „Oss“ stammt aus Japan und ist in der Welt des Karate zu einem umgangssprachlichen
Ausdruck geworden. Er wird von zahlreichen Karatekas aus vielen Ländern verstanden und ausgetauscht. Nicht nur als alltäglicher Gruß, sondern auch in der Bedeutung von „Danke“, „schön
Dich zu sehen“, „ Auf Wiedersehen“, „Ich habe verstanden“ und „ich verstehe“.
Das Oss kommt aus dem Unterbauch und wird während einer korrekt ausgeführten Verbeugung, die Respekt, Sympathie und Vertrauen gegenüber dem Partner oder der Partnerin ausdrückt, geäußert.
Oss ist eine phonetische Übertragung, eigentlich wird es mit zwei verschiedenen Schriftzeichen dargestellt. Das Erste meint wörtlich „stoßen“ und symbolisiert den Kampfgeist, die Bedeutung der Anstrengung. Hindernissen soll man ins Auge sehen und sie durch eine positive und feste Haltung
zur Seite stoßen.
Das zweite Schriftzeichen bedeutet wörtlich „leiden“. Es steht für Mut und Ausdauer. Wenn man Schmerzen und Depressionen mit Geduld widersteht ohne aufzugeben, bleibt der Geist des Oss erhalten.
Die Jugend besitzt die nötige körperlichen und moralischen Fähigkeiten, um schwere Prüfungen mutig zu bestehen. Allerdings können diese Möglichkeiten nur durch tägliche Anstrengung aufrechterhalten und entwickelt werden. Auch hier gilt: „Talent ist nichts ohne Fleiß“.
Oss ist ein Schlüsselbegriff. Er soll jungen Leuten verdeutlichen, dass sie Entscheidungen zu treffen haben und diese Haltung sollen sie auch an Andere weitergeben.
Diese gegenseitige Ermunterung ist nach Aussage des Großmeisters Kanazawa die ursprüngliche Funktion des Begriffes und wurde so zum erstenmal
Das Oss darf nicht losgelöst verwendet werden. Überprüfe ab jetzt Deine Haltung, Einstellung, Gesinnung, Aussprache und deren Harmonie zueinander. Der Rumpf wird mit dem Rücken gebeugt und das Kinn angezogen, wenn du das Wort aussprichst. Bewegung, Atem und Aussprache führen, wenn sie so ausgeführt werden zur Füllung des Unterbauchs (Tanden) mit Ki und Kraft.
Wenn wir uns an die Prinzipien des „Aun“ beim Aussprechen von Oss halten, dann sind Atem und Geräusch innen. „Aun“ (a-u-n) ist eine bestimmte Atemtechnik, die dazu dient, in Harmonie mit Universum zu treten. Es bedeutet „Himmel und Erde“, „Yin und Yang“, „Inyo“. Dies sind die entgegengesetzten Bestandteile (negative und positive Elemente) des Universums.
Quelle: Hirokazu Kanazawa – S.K.I. Kumite Kyohan, Japan 1987
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